Ein Sim kopieren, oder drei…
In ihrem letzten Blogposting nimmt Cyn Linden von Linden Lab unter Anderem Stellung zu den Möglichkeiten, Content von Second Life in andere virtuelle Welten zu kopieren. Einerseits ist es erfreulich, dass Linden Lab dieses Thema überhaupt aufgreifen: Ich glaube daran, dass die Opensim-Szene weiter wachsen wird, und auch “kleine” Virtuelle Umgebungen wie “Weblin 2.0″ oder Metaplace nehmen an Bedeutung zu. Jede Form von Dialog mit Linden Lab trägt positiv dazu bei, diesen Heterogenen Virtuellen Kosmos weiter wachsen und gedeihen zu lassen. Ein Punkt hat mir sogar gefallen: Der Creator-Name, und die Information, in welcher Welt das Item erschaffen wurde, sollen beim Export oder Kopieren erhalten bleiben. Wie die technische Umsetzung aussehen soll, bleibt allerdings der Fantasie des Lesers überlassen. Forderungen, in den Content in Second Life Meta-Daten mit weiterführenden (Copyright/Creative Commons-)Informationen einzufügen, gibt es auf dem SL-Jira seit Jahren, ohne dass sich bisher eine Lösung abzeichnet.
Andererseits gehen aber die Zugeständnisse, die Cyn Linden an einen “politisch korrekten Copybot” macht, sehr an der Realität vorbei, Zitat:
- Check that the user of the tool is the Second Life “creator” of the content;
- Do not facilitate the export of an entire Second Life inventory; and
- Preserve the Second Life “creator” name and information that the content was originally created in the Second Life virtual world.
Punkt 2 ist ein direkter Angriff gegen Second Inventory, da ich mit diesem Tool ohnehin auf dem Kriegsfuß stehe, werde ich mich hier nicht weiter darüber auslassen…
Die anderen beiden Punkte klingen für sich genommen erstmal prima, stimmts? Im Zusammenklang wird aber schnell klar, dass sie offensichtlich nicht von derselben Person stammen oder im Rahmen desselben Modells entwickelt wurden: Warum sollte jemand, der seine eigenen Werke kopiert (dann nur das geht ja laut Punkt 1) gezwungen sein, die auch wieder unter seinem SL-Namen zu verbreiten?
In der Realität, im Gespräch mit unseren Kunden und Interessenten ist der Creator oft nicht die ausschlaggebende Größe, um ein Kopieren zu veranlassen. Die meisten Firmen und Institute, die uns ansprechen, um ein sicheres Backup ihrer Sims im virtyou Metagrid zu plazieren, haben irgendwann zwischen 2006 und 2008 ihre Sims in Second Life aufgebaut, und dafür Builder angeheuert, oder bei renommierten Content Creators Spezialanfertigungen von Einrichtungsgegenständen und technischen Geräten in Auftrag gegeben. Diese Aufbauten und Gegenstände sind je nach Kenntnisstand der Beteiligten mit full-permissions, set-to-group oder auch ohne spezielle Zugriffsrechte übertragen worden. Ganz unabhängig von diesen Permissions gehören sie aber nach Ansicht unserer jetzigen Auftraggeber (und in den meisten Fällen auch nach meiner Ansicht) den Firmen-/Simownern, und zwar über die Grenzen von SL hinaus!
Der oben genannte Artikel erwähnt mehrfach, dass alle für ein Objekt einsgestellten Permissions nur innerhalb von SL gelten. Das stimmt so nicht: Im optimalen Fall gibt es zusätzlich Verträge im RL, die die Übertragung der Nutzungsrechte regeln. Auch ein Flag wie “set to group” kann ich guten Gewissens als Übereignung der Nutzungsrechte ausserhalb von SL ansehen, wenn die betroffene Gruppe eine Buildergroup für ein kommerzielles Sim ist.
Im Augenblick handhaben wir es so, dass wir vom Auftraggeber eine Liste der beteiligten Builder einfordern, und uns bestätigen lassen, dass diese Builder mit der betreffenden Firma in einem Vertragsverhältnis die Nutzungsrechte übertragen haben. Den Rest der Permissions können wir dann fröhlich ignorieren, und laufen trotzdem nicht Gefahr, plötzlich widerrechtlich Pflanzen von Lilith Heart oder Daden Navigators kopiert zu bekommen.
Fazit: Die vollmundig “Standard Industry Practices for Copying Tools” genannte Stichwortliste ist weder praktisch, noch Standard, und Industry schon gar nicht.






